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Schüsse aus dem Nichts

Tobruk

Tobruk

Der DVD- und Bluraymarkt bringt immer neue Filme über den Zweiten Weltkrieg nach Deutschland, in denen Ereignisse im Mittelpunkt stehen, die in unserem Geschichtsbewusstsein eine weitgehend unbeachtete Rolle spielen, für die Produktionsländer aber von großer Bedeutung sind. „Tage des Ruhms“ oder „Ambush 1941 – Spähtrupp in die Hölle“ sind solche Werke. „Tobruk“ gehört ebenfalls dazu. Darin erfährt man, dass auch die Tschechen und die Slowaken in Nordafrika gegen Nazideutschland gekämpft haben. Der Schlacht um die libysche Hafenstadt Tobruk kommt angesichts der heftig geführten Kämpfe eine gewisse Bedeutung innerhalb der Kriegshandlungen in Nordafrika zu. 1941 wurde eine tschechische Einheit dorthin beordert, um die alliierten Verteidiger im Kampf gegen italienischen und deutsche Belagerer zu unterstützen. Auch die beiden Neulinge Jan Liebermann und Jiri Pospíchal gehören zu den Soldaten, die eine Linie weit auseinander liegender Bunkerstellungen halten sollen. Nach Tagen der Ausbildung folgt nun der bittere Ernst des Krieges, der jede Sekunde den Tod bringen kann.

Regisseur Václac Marhoul folgt bei seinem Film den klassischen Dramaturgiemuster aus Lagerschinderei ohne Gefahr und anschließendem Kampfeinsatz mit Lebensgefahr. Dabei gelingt es ihm, die angespannte Ruhe unter den Soldaten einzufangen, die im Feldlager stets damit rechnen müssen an die Front und damit in den möglichen Tod geschickt zu werden. Aufgestaute Aggressionen entladen sich in Streitereien oder organisierten Gewalttätigkeiten wie Boxkämpfen. Die Untätigkeit wird zu einer Belastung für die Soldaten, weil ihnen klar ist, dass der Fronteinsatz in jedem Fall kommen wird. Das Warten hat deswegen etwas schwer Erträgliches, obwohl es eine relative Sicherheit bietet. An der Front ändert sich an der Trägheit der Ereignisse jedoch nur wenig, weil kein permanentes Schlachtgetümmel herrscht. Auch hier Tobruk dominiert die Ruhe, welche jedoch sehr trügerisch ist. Der Einbruch der Gewalt erfolgt dann auch mit einer unerwarteten Heftigkeit, die schockierend wirkt. Sie zerfetzt einen Moment, der durch schlichte Alltagshandlungen geprägt ist. Marhoul zeigt, dass der Tod keine Ruhe kennt. Jede Form der Normalität ist im Krieg nur eine Illusion, so gewöhnlich die jeweilige Handlung auch ist. Marhoul gelingt es, die Allgegenwärtigkeit der Gefahr eindrucksvoll in Szene zu setzen. Gleichzeitig bleibt der Feind lange Zeit ein Phantom. In den ockerfarbenen Hügelketten der Wüste ist niemand zu sehen. Die immergleiche Landschaft wirkt menschenleer, so dass die tödlichen Schüsse aus dem Nichts zu kommen scheinen. Der Krieg wird zu einem gespenstischen Ereignis, dessen Dimension nicht erfassbar ist. Das gilt nicht nur für die großen Schlachtzusammenhänge, sondern auch für die direkte Situation vor Ort. Der Instinkt rettet das Leben. „Tobruk“ besticht durch seine atmosphärischen Qualitäten, ohne dass auf Seiten des Handlungsverlaufes etwas Besonderes geboten würde. Denn die Konflikte und der Zusammenhalt zwischen den Figuren folgen einem gängigen Muster. Ihnen gewinnt Marhoul nicht Neues ab.

Bildqualität

Tobruk

Das saubere Bild der Bluray überzeugt mit klaren Konturen. Der Detailreichtum ist recht gut, schöpft die Möglichkeiten einer Bluray aber nicht aus. Die Durchzeichnung der Wüstengegend könnte stärker sein. Die Sandfarben wurden sehr gut auf die Bluray übertragen, so dass im Verbund mit einem guten Kontrast die Landschaft mit ihren ähnlichen Farbtönen dennoch differenziert erscheint. Das leichte Rauschen stört nicht.

Tonqualität

Die DTS-HD-Master-5.1-Tonspuren sind sehr gut ausgefallen. Auch leise Hintergrundgeräusche wurde räumlich abgemischt, so dass alles Lautsprecher immer wieder in Aktion sind. Bei den Kampfszenen ertönen die Schüsse und Granateinschläge mit einer brachialen Dynamik, die dem Geschehen gerecht wird. Der Subwoofer sorgt für den notwendigen Druck. Insgesamt ein sehr guter Ton, da auch die Dialoge sauber abgemischt wurden.

Extras

Das Bonusmaterial besteht aus dem Trailer.

Fazit

„Tobruk“ liefert auf Seiten der Figuren und ihrer Konflikte sowie des Zusammenhaltes zwar nichts Neues, überzeugt aber mit seiner eindrucksvollen Atmosphäre aus gespenstischer Ruhe, unsichtbarem Feind, rabiater Gewalt und Unübersichtlichkeit kurzer Szenen. Technisch ist die Bluray gut.

Stefan Dabrock

31.10.2010

   
Originaltitel Tobruk (Tschechien/Slowakei 2008)
Länge 104 Minuten (24p)
Studio Ascot Elite
Regie Václac Marhoul
Darsteller Jan Meduna, Petr Vanek, Robert Nebrenský, Michael Novotný, u.a.
Format 1:2,35 (16:9)
Ton DTS-HD-Master 5.1 Deutsch, Tschechisch
Untertitel Deutsch
Extras Trailer
Preis ca. 17 EUR
Bewertung atmosphärisch, technisch gut