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rezensionen

30.03. Paul Temple und der Fall Marquis
03.03. Die weiße Mafia
16.02. Das Mädchen mit den schwarzen Strümpfen
11.02. Im Dutzend zur Hölle
28.01. Die Engel von St. Pauli
21.01. Die Todeskralle des grausamen Wolfes
06.01. Die Mörderklinik
12.12. Paul Temple: Jagd auf Z
27.11. Die drei Supermänner räumen auf
30.10. Die Heuchler
10.10. X 312 … Flug zur Hölle...
03.10. Das Todeslied des Shaolin
15.09. Der Koloss von Konga
26.08. Das Omen des Bösen
11.08. Menschen im Hotel
06.08. Mädchen: Mit Gewalt

kurzrezension

09.11. Return of the Warrior
30.05. Iron Sky - Director's Cut (blu-ray)
21.05. Captain Invincible oder „Wer fürchtet sich vor Amerika?“
22.04. True Justice: Angel of Death – Der Todesengel (blu-ray)

blu-ray

Sondereinsatz Tokyo

Tokyo Powerman

Tokyo Powerman

„Tokyo Powerman“ ist nach „Winners & Sinners“ der zweite Teil der Lucky-Stars-Reihe, deren Actionkomödienkonzept Sammo Hung Kam-Bo in den 1980ern begründet hat. In den Hauptrollen überzeugen daher die gleichen Darsteller wie bei „Winners & Sinners“, lediglich John Sham ist nicht mehr mit von der Partie. Dafür taucht Eric Tsang als Roundhead auf.
Da die beiden Polizisten Muscles (Jackie Chan) und Ricky (Biao Yuen) ihren Auftrag vermasseln, in Tokyo einen gesuchten Ex-Cop zu schnappen – Ricky wird sogar von den Kriminellen entführt -, greift ihr Vorgesetzter Walter Tsao (Tat-wah Cho) zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Mit einem Trick setzt er den inhaftierten Fastbuck (Sammo Hung kam-Bo) unter Druck, ihm zu helfen. Nach seiner Entlassung muss Fastbuck mit seinen Freunden Herb (Chalie Chin), Rawhide (Shui-Fan Fung), Sandy (Richard Ng) und Roundhead (Eric Tsang) nach Tokyo reisen, um gemeinsam mit Polizistin Barbara Wu (Sibelle Hu) den entführten Ricky zu suchen und den Kriminellen das Handwerk zu legen. Widerwillig nehmen sie den Auftrag an, wobei sie sich teilweise mehr um die Reize ihrer Kollegin auf Zeit kümmern, als dass sie diszipliniert ihre Arbeit erledigen.
Ein zentraler Bestandteil in „Tokyo Powerman“ ist erneut der infantile Umgang scheinbar erwachsener Männer gegenüber dem weiblichen Geschlecht. Dabei erreichen die Späße sowie die Versuche von Fastbuck und seinen Freunden, Barbara näher zu kommen, einen Grad an Albernheit, wie er selbst in amerikanischen College-Komödien nicht anzutreffen ist. Dennoch entwickelt sich im Laufe des Geschehens eine ganz eigene Humorqualität. Das liegt an der kindlichen Unschuld, mit der die Männer zu Werke gehen. Ihre Aktionen sind so absurd, dass sie von vornherein zum Scheitern verurteilt sind, sie wirken schlicht wie Lausbubenideen. In der gemeinsamen Unterkunft sucht nacheinander einer von ihnen Barbara in ihrem Schlafzimmer auf, während zwei andere als Ninjas verkleidet einen Überfall vortäuschen. Zum Genuss des scheinbaren Opfers wird dieses mit Barbara Brust an Brust gefesselt, bevor die Ninjas abziehen und ein weiterer aus dem Freundeskreis als scheinbarer Retter auftaucht, die Gefesselten befreit und seinen Freund wegschickt. Danach geht das Spiel mit zwei neuen Pseudoninjas von vorne los. Konsequent wird das Szenario Figur für Figur ausgespielt, bis am Ende noch eine kleine, groteske Überraschung wartet.
Neben der Unschuld sorgt die mehrmalige Wiederholung der Aktion für einen bizarren Effekt. Denn aus der zeitlich präzisen Darstellung ohne raffende Schnitte ergibt sich schon fast ein Tokyo Powerman dokumentarisch-realistischer Ansatz, der mit der albern-übertriebenen Art des Geschehens kollidiert. Dank dieses auch an anderer Stelle auftretenden Widerspruchs ist „Tokyo Powerman“ erfrischend lustig, ohne die Balance zwischen Infantilität und Niveau zu verlieren. Der Film bleibt eine Komödie über die Freundschaft zwischen unschuldig-naiven Männern, die sich nie zu wirklich Erwachsenen entwickelt haben. Er erinnert an das in uns schlummernde Kind, das nicht verschwunden ist und immer wieder aufs neue geweckt werden kann. Eine zentrale Fähigkeit, um mit den Unbillen des Lebens zurecht kommen zu können.

Bildqualität

Tokyo Powerman

Das Bild der Bluray ist besser als beim älteren „Winners & Sinners“. So erreicht die Schärfe fast durchweg ein sehr ordentliches Niveau, ohne wirkliche HD-Qualität zu präsentieren. Die konnte man bei einem Hongkong-Film aus den 1980ern aber auch kaum erwarten. Die Farben wirken manchmal etwas blass, haben aber fast immer eine ansprechende Kraft. Der Kontrast ist in Ordnung.

Tonqualität

Die DTS-HD-Master-5.1-Tonspuren warten mit dezenten räumlichen Effekten auf. Viel wichtiger ist aber, dass die Dialoge recht klar und verständlich klingen und der Ton einen vollen Charakter besitzt.
Für Freunde der ursprünglichen Tonfassungen sind auf der Bluray auch die alten Monospuren enthalten, die beide einwandfrei klingen.

Extras

Neben der ungeschnittenen Originalversion enthält die Bluray auch die alte, gekürzte deutsche Fassung des Films.
Hongkongfilm-Kenner Bey Logan geht auf zahlreiche Aspekte der Produktionsbedingungen ein, liefert detaillierte Informationen zu den Darstellern und ordnet einige Motive des Films in den Kontext des Hongkongkinos ein. Sein Kommentar ist eine Freude für jeden Fan des Filmbusiness aus der damaligen britischen Kronkolonie.
Im 18-minütigen „Clown Prince – Interview mit Sammo Hung“ äußert sich Hung vor allem zur Art und Weise, wie er damals Actionszenen gedreht hat.
„Fighting Lady – Interview mit Michiko Nishiwaki“ besteht aus einem etwa 20-minütigen Gespräch mit der Darstellerin, die sich an einige Begebenheiten vom Dreh erinnert und ihre Eindrücke zur Produktion schildert. Dabei geht sie auch auf ein paar Actionszenen ein, in denen sie selbst gedoubelt wurde. Mit ihrer offenen Art vermittelt sie ein grobes Gefühl, wie die Arbeit am damaligen Set abgelaufen ist.
Eine 23-minütige Outtakerolle und ein Trailer zum Film sind auf der Bluray ebenfalls enthalten.

Fazit

„Tokyo Powerman“ entfaltet für Freunde asiatischen Humors sein volles Humorpotenzial, das durch ein paar Actionelemente rasant aufgemotzt wird. Insgesamt ein guter Unterhaltungsfilm. Technisch ist die Bluray ansprechend.

Stefan Dabrock

09.11.2014

   
Originaltitel Fuk sing go jiu aka. My Lucky Stars (Hongkong 1985)
Länge 97 Minuten (24p)
Studio Splendid
Regie Sammo Hung Kam-Bo
Darsteller Sammo Hung Kam-Bo, Richard Ng, Charlie Chin, Shui-Fan Fung, Eric Tsang, Sibelle Hu, Jackie Chan, James Tien, Biao Yuen, Dick Wei, Tat-wah Cho, Ching-Ying Lam, Michiko Nishiwaki, u.a.
Format 1:1,78 (16:9)
Ton DTS HD Master 5.1 Deutsch, Kantonesisch, DTS-HD-Master 2.0 Mono Deutsch, Kantonesisch
Untertitel Deutsch
Extras Audiokommentar von Bey Logan, Deutsche Filmfassung, Clown Prince – Interview mit Sammo Hung, u.m.
Preis ca. 10 EUR
Bewertung gut, technisch ansprechend