Handy-Marionetten

Hellphone

HellphoneNach seiner Surfer-Komödie „Cool Waves“ („Brice de Nice“, 2005) kehrt der französische Regisseur James Huth zu den Wurzeln seines Debütfilms „Serial Lover“ (1998) zurück: der schwarzen Komödie. Im Mittelpunkt steht der 17jährige Skater Sid, der unsterblich in seine Mitschülerin Angie verliebt ist. Leider fehlt es ihm an den notwendigen Mitteln, um die Angebetete zu beeindrucken. Die hängt mit ihren zwei Freundinnen im Umfeld des coolen Virgile und seiner Clique herum, für Sid hat sie nur Spott übrig. Das ändert sich, als der Skater in einem chinesischen Kramladen für günstige 30 Euro ein spezielles Handy kauft. Sein neues Telefon sieht nicht nur extrem hipp aus, es erfüllt ihm aus inniger Liebe auch jeden Wunsch. So bringt es durch selbsttätige Anrufe die unterschiedlichsten Opfer dazu, Dinge zu tun, die sie freiwillig nicht tun würden. Das sichert ihm schließlich auch Angies Aufmerksamkeit. Was zunächst noch relativ harmlos beginnt, wird zur Gefahr, als die ersten Toten zu beklagen sind. Jetzt müssen Sid und sein bester Freund Tiger alles dran setzen, um das Telefon wieder los zu werden. Aber das ist nicht so leicht, denn es will die innige Beziehung zu Sid nicht aufgeben.

„Hellphone“ ist im Kern eine Teenie-Romanze, die Regisseur James Huth mit rasantem Tempo und schwarzem Humor in Szene gesetzt hat. Die Eckpunkt der Dramaturgie sind alte Bekannte. Die Hauptfigur ist ein Außenseiter, der bei seinem Traumgirl keine Chance hat, weil sie sich im Glanz eines oberflächlichen, coolen Umfeldes sonnen will. Im Verlauf der Handlung kommen sich Außenseiter und Traumgirl aber auf der persönlichen Ebene näher. Im bisherigen coolen Umfeld des Traumgirls spielten tiefe Gefühle gar keine Rolle, da dort nur der Schein zählte. Das Telefon als hippes Gimmick hilft dem Außenseiter bei seiner Annäherung an das Traumgirl, aber es erweist sich als vergiftetes Geschenk, da die Nebenwirkungen katastrophal sind. Darunter leidet die Freundschaft des Außenseiters zu seinem besten Freund. Das Hellphone Gimmick mit seiner Macht korumpiert den Außenseiter. Die gefährlichen Eigenschaften des Telefons sind es schließlich, die Außenseiter, besten Freund und Traumgirl im Kampf gegen das Böse vereinen. Diese bewährte Geschichte würzt Huth, der auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, indem er wüste Situationskomik und schwarzen Humor zum Stilmittel der Erzählung macht. Ein unangenehmer Lehrer, der seine Schüler mit Kreidewürfen drangsaliert, muss unter dem Einfluss de Telefons schließlich unzählige Stücke seines gewohnten Wurfobjektes zu sich nehmen. Der coole Virgile legt auf einem Tisch in der Schulmensa vor versammelter Schülerschaft einen Striptease hin, der offenbart, dass er nicht gut bestückt ist. Das Telefon verleiht Macht, welche die Inhaber der Macht sofort korumpiert, indem sie ihre Schadenfreude mit kleinen Rachetaten ausleben. Das ist zum einen brüllend komisch, besitzt zum anderen aber auch zu Beginn schon einen ambivalenten Charakter. Die Transformation der Hauptfigur zum zwischenzeitlich wenig sympatischen Menschen ist hier bereits angelegt.

Als Zuschauer wird man durch das eigene Lachen zum Komplizen der auf Schadenfreude basierenden Rache. Das ist die Voraussetzung, um gemeinsam mit den Hauptfiguren an der Überwindung des Bösen teilzuhaben. Über den Außenseiterstatus des Skaters, der sich in einer fiesen, teilweise bis zur Karikatur überzeichneten Umgebung bewegt, gelingt die Verbindung zwischen Zuschauer und Skater, auch wenn er mit fragwürdigen Methoden Rache nimmt. Die anderen Charaktere sind einfach ausnahmslos unsympathisch, so dass man der Hauptfigur seine Taten nachsieht. Schadenfreude und Machtausübung sorgen letztlich aber nicht für Erfolg, sondern erst die Überwindung solcher Mittel vermögen Sids Leben eine andere Wendung zu geben. Deswegen besitzt „Hellphone“ auch in seinen zynischsten Momenten keinen menschenverachtenden Charakter. Denn jedem Lachen wohnt in dieser Komödie auch eine Anklage bei, die ein reflektiertes Publikum auf sich selbst zurück wirft.

Bildqualität

Das blitzsaubere Bild der aktuellen Produktion präsentiert sich mit sehr guter Schärfe, die keine nennenswerten Schwächen besitzt. Die sehr kräftigen Farben werden der bunten Palette des grellen Films in ausgezeichneter Weise gerecht. Der ausgewogene Kontrast sorgt für ein plastisches Bild, bei dem auch in dunklen Passagen keine Inhalte verloren gehen. Das leichte Hintergrundrauschen stört ebenso wenig wie das zarte Blockrauschen in homogenen Flächen.

Tonqualität

Die 5.1-Spuren verfügen über eine gute Präsenz auf den vorderen Lautsprechern, so dass die rauschfreien Dialoge klar und verständlich sind. Musik, Nebengeräusche und Sprache wurden gut abgemischt. Räumliche Qualitäten besitzen die Tonspuren jedoch kaum, da selbst die Musik nur zaghaft aus den hinteren Lautsprechern zu hören ist. Der DTS-Ton kann hier auch nicht punkten, er ist lediglich lauter.

Extras

Die Deleted Scenes (etwa 21 Minuten) sind mit einem Kommentar des Regisseurs James Huth versehen. Die Erläuterungen Huths wurden aber Hellphonenicht über die Szenen gelegt, sondern er spricht vor jeder Szene seine Ausführungen zum folgenden Material in die Kamera. Das hat den Vorteil, das man die Szenen nicht, wie in anderen Fällen zweimal sehen muss. Huth erläutert dabei die Gründe, aus denen die Szenen herausgeschnitten wurden, und weist auf manche Besonderheiten innerhalb der Szenen hin. Das ist insgesamt sehr interessant. Die Szenen selbst weisen eine wechselnde Qualität auf, sind im besten Fall aber eine schöne Ergänzung zum Film. Das Making Of (etwa 24 Minuten) liefert die übliche Mischung aus B-Roll-Material, Interviewschnipseln mit dem Regisseur und Darstellern sowie Filmausschnitten. Es unterscheidet sich von der Masse sonstiger Making Ofs lediglich durch die etwas rasantere Montage. Der Trailer rundet das Bonusmaterial ab.

Fazit

„Hellphone“ nutzt seinen brüllend komischen Humor der Schadenfreude, um ihn in letzter Konsequenz als niederträchtig zu denunzieren. Erst die Überwindung solcher Gefühle führt zu einem Miteinander, das echte Beziehungen zulässt. Technisch ist die DVD gut mit leichten Defiziten beim Ton.

Stefan Dabrock

   
Originaltitel Hellphone (Frankreich 2007)
Länge 95 Minuten (Pal)
Studio Sunfilm
Regie James Huth
Darsteller Jean-Baptiste Maunier, Jennifer Decker, Benjamin Jungers, Vladimir Consigny, u.a.
Format 1:1,85 (16:9)
Ton DTS Deutsch, DD 5.1 Deutsch, Französisch
Untertitel Deutsch
Extras Deleted Scenes, Making Of, Trailer
Preis ca. 15 EUR
Bewertung gut, technisch gut