Wüste ohne Ausweg

The Hills have Eyes

The Hills have EyesWes Cravens fieser Horrorfilm „The Hills have Eyes“ lässt sich ohne Bedenken in das Subgenre des Terrorkinos einordnen, jener Untergattung, deren Vertreter eine Gruppe von Menschen in den Mittelpunkt stellen, die in einer klaustrophobischen Situation durch andere Menschen erbarmungslos drangsaliert werden. Das Wüstenszenario, in dem Cravens „The Hills have Eyes“ spielt, entspricht zwar nicht dem strengen Begriff der Angst vor beengten Räumen, aber in der öden Weite der Landschaft kann sich schnell ein ähnliche Beklemmungsgefühl breit machen. Als die harmlose Mittelklassefamilie den alten Besitzer einer völlig herunter gekommenen Tankstelle in der Wüste nach dem Weg zu einer stillgelegten Silbermine fragt, rät ihnen der Tankwart mit bestimmten Worten, die Reiseroute zu ändern. Aber der ehemalige Polizist, der als Familienoberhaupt die zentralen Entscheidungen fällt, will nichts davon wissen, da er in seinem Misstrauen nur einen Trick des alten Tankwartes vermutet. Nachdem das Auto samt Wohnwagen durch eine Unachtsamkeit von der staubigen Wüstenpiste abgekommen ist, müssen die Familienmitglieder jedoch bald feststellen, dass sie in der Einöde nicht allein sind. Eine degenerierte Familie haust in den nahe der Straße gelegenen Bergen und ernährt sich von dummen Durchreisenden sowie deren Haustieren und Vorräten. Aus sicherer Distanz beobachten die „Jäger“ zunächst ihre Beute, um später planvoll zuzuschlagen.

Wes Craven bewies nach seinem umstrittenen „The Last House on the Left“ bei „The Hills have Eyes“, dass er souverän auf der Klavieratur des Schreckens spielen kann. Die Weite der Wüste wird durch die eingeschränkten Fluchtmöglichkeiten in der lebensfeindlichen Ödnis zu einem engen Raum. Der darin liegende Widerspruch zur scheinbaren Logik, viel Raum müsse auch gute Fluchtmöglichkeiten bieten, versetzt dem rationalen Ansatz menschlichen Denkens einen traumatisierenden Schlag, auf dem Craven sein Netz der Angst auslegt. Die Atmosphäre tiefer The Hills have Eyes Verunsicherung heizt er mit nächtlichen Geräuschen an, deren Herkunft die Mitglieder der Mittelklassefamilie nicht einwandfrei identifizieren können. Subjektive Aufnahmen aus dem Blickwinkel der „Jäger“ unterstützen das hinterhältige Szenario aus hilfloser Beuterolle, welche die Mittelklassefamilie über weite Strecken einnimmt, und der Macht des Jägers, mit der die Hügelbewohner agieren. Dass Cravens filmische Mittel zwischen der Position der Hügelbewohner und der Position der Mittelklassefamilie wechseln, versetzt den Zuschauer in einen beängstigenden Taumel der Unsicherheit, da sein Bedürfnis nach absoluter moralischer Eindeutigkeit nachhaltig gestört wird. Die scheinbar guten Durchreisenden spiegeln sich in den verwilderten Hügelbewohnern, welche nicht nur geographisch gleich neben der Hauptstraße lauern, sondern auch auch zivilisatorisch nur eine Handbreit jenseits der Norm liegen. Dass die Trennlinie zwischen den Hügelbewohnern und den Durchreisenden viel kleiner ist, als auf den ersten Blick scheint, macht einen Großteil des Schreckens aus, den der Film verbreitet. So ergänzen sich erbarmungsloser Terror innerhalb der direkten Dramaturgie und der Terror, mit dem der Zuschauer drangsaliert wird, zu einem wirkungsvollen Manifest des Schreckens.

Bildqualität

Dank der Bildrestaurierung sieht „The Hills have Eyes“ auf dieser DVD recht gut aus, angesichts der Produktionsumstände und des Filmalters kann man sehr zufrieden sein. Das Bild weist zwar ein teilweise starkes analoges Rauschen auf, welches auf das günstige Filmmaterial und nicht auf die DVD zurück geht, aber die Schärfe ist sehr ordentlich. Ein leicht matschiger Eindruck bleibt unvermeidlich. Verschmutzungen oder Bilddefekte konnten deutlich reduziert werden, so dass nur noch selten Störungen dieser Art auftreten. Die Farbqualität überzeugt durch eine gelungene Darstellung der bräunlichen Wüstentöne, der Kontrast sorgt für ein plastisches Bild. Die leichte Blockbildung stört kaum.

Tonqualität

Der englische 2.0-Ton weist eine dynamisch reduzierte Abmischung der Dialoge auf, die nicht in jeder Szene sehr gut zu verstehen sind, zumeist aber schon. Die leichten Verzerrungen fallen kaum ins Gewicht. Die Wiedergabe der atmosphärischen Geräusche ist sehr gelungen, so dass der Spannungsaufbau des Films gut unterstützt wird. Wer es unbedingt möchte, kann sich auch einen deutschen 5.1-Upmix anhören, der drolligerweise eine deutlich schlechtere Abmischung der atmosphärischen Geräusche besitzt. Die Dialoge sind besser zu verstehen, darüber hinaus wurde die Synchronisation neu erstellt, so dass der Unfug der sinnentstellenden ursprünglichen Synchronisation kein Thema mehr ist.

Extras

Die etwa 55minütige Dokumentation „Ein Rückblick auf 'Hills have Eyes'” ist sowohl auf der DVD mit dem Hauptfilm als auch auf der Bonus-DVD enthalten. Während die Version auf der ersten DVD keine Untertitel besitzt ist die Version auf der Bonus-DVD deutsch untertitelt. Die Gründe für das zweimalige Auftreten der Dokumentation bleiben völlig rätselhaft. Die Dokumentation selbst wirft einen umfassenden Rückblick auf das damalige Projekt. In Interviews erinnern sich die wichtigsten Darsteller und Darstellerinnen an die schwierigen Dreharbeiten angesichts eines geringen Budgets sowie eines herausfordernden Drehortes in der Wüste. Natürlich kommen unter anderem auch Regisseur Wes Craven und Produzent Peter Locke zu Wort, so dass alle zentralen Aspekte von der Projektentwicklung bis zum fertigen Film beleuchtet werden. Eine hochinteressante Dokumentation.

Der etwa 59minütige Beitrag „Ein Film von Wes Craven” wirft einen Blick auf Wes Cravens gesamte Regie-Karriere bis zum Zeitpunkt seiner Entstehung, so dass „Music of the Heart” der letzte erwähnte Film ist. The Hills have EyesInnerhalb der Dokumentation äußert sich Wes Craven selbst zu jedem seiner Filme und die teilweise widrigen Produktionsumstände. Interviews mit Darstellern und Darstellerinnen aus den einzelnen Werken Cravens bereichern den Beitrag, der einen guten Überblick Cravens filmischen Schaffens liefert. Das Alternative Ende beinhaltet eine andere Schnittfassung der beiden finalen Handlungsstränge und ein aufgesetztes Friede-Freude-Eierkuchen-Miteinander. Hinter „Bildrestaurierung” verbirgt sich ein vierminütiger Beitrag, der im Split-Screen-Verfahren das Material vor und nach der Restaurierung zusammenfügt. Hier ist zu sehen, dass eine leichte Farbkorrektur vorgenommen und einiges an Verrregnungsspuren entfernt wurde. Eine Bildergalerie, zwei Trailer und vier TV-Spots sowie eine Texttafelbiographie zu Wes Craven runden das Bonusmaterial ab.

Fazit

„The Hills have Eyes“ gehört zu den zentralen Werken des Terror-Kinos, das die schmale zivilisatorische Grenze zwischen einem normierten Mittelklasse-Dasein und einer verwilderten Gemeinschaft auf ambivalente Weise beleuchtet. Technisch ist die DVD angesichts des Filmalters und der Produktionsumstände sehr ordentlich.

Stefan Dabrock

   
Originaltitel The Hills have Eyes (USA 1977)
Länge 86 Minuten (Pal)
Studio Sunfilm
Regie Wes Craven
Darsteller Susan Lanier, Robert Houston, Martin Speer, James Whitworth, Janus Blythe, u.a.
Format 1:1,85 (16:9)
Ton DD 5.1 Deutsch, DD 2.0 Englisch
Untertitel Deutsch
Extras „Ein Rückblick auf 'Hills have Eyes'”, „Ein Film von Wes Craven”, Alternatives Ende , u.m.
Preis ca. 16 EUR
Bewertung gut, technisch angesichts des Filmalters sehr ordentlich